Erster interreligiöser Buß- und Bettagsgottesdienst

Es war schon etwas ganz Besonderes als das Vaterunser und die al-Fātiḥa am diesjährigen Buß- und Bettag nacheinander im Verdener Dom erklangen.

Der erste Gottesdienst des Verdener Campus stand ganz im Zeichen des Brückenbauens. Brücken wurden gebaut zwischen den Religionen, denn es nahmen nicht nur die evangelischen und katholischen Religionsschülerinnen und –schüler am Gottesdienst teil, sondern auch die Schülerinnen und Schüler, die den muslimischen Religionsunterricht besuchen. Am Campus wird mittlerweile in den Jahrgängen 5 bis 7 muslimischer Unterricht angeboten.

Brücken wurden auch gebaut in den beiden durch Schülerinnen und Schüler vorbereiteten Anspielen gebaut: Ein Mädchen gerät mit einem anderen Mädchen in Streit, es artet aus, sie werden handgreiflich, andere Mädchen filmen die Auseinandersetzung. Der Film landet im Netz. Ein Schwall Hasskommentare ergießt sich über dem Mädchen, sie wird ausgegrenzt, niemand will etwas mit ihr zu tun haben. Zum Schluss sitzt sie auf der Schultoilette und weint verzweifelt. Cut – Die Darstellerin des ausgegrenzten Mädchens steht auf und ruft laut „STOPP – So nicht! Wir zeigen euch jetzt, wie man aus Nächstenliebe handelt. Alle eben gezeigten Szenen werden ein weiteres Mal gespielt, nur ist jetzt immer jemand da, der eine Brücke baut. Jemand schlichtet den Streit. Jemand bitte den Filmemacher den Film zu löschen. Jemand geht gegen die Hasskommentare an und schreibt positive Dinge. Jemand geht auf sie zu und tröstet sie. Es kann so leicht sein.

 

Im nächsten Anspiel sieht man ein paar Jungs, die den muskulösen Körperbau von einem von ihnen bewundern. Er macht ein paar Liegestützen und genießt es sichtlich im Mittelpunkt zu stehen. Als die anderen zu einem älteren Herrn schauen, der sich mit schweren Taschen abmüht, blafft er sie nur an, dass sie ihn anschauen sollen und nicht den Alten. Auch hier ein Cut und die Frage „Was könnte man anders machen?“. Barmherzigkeit beherrscht die nächste Szene, die Jungs tragen dem alten Herren die Einkaufstaschen nach Hause und nutzen ihre Muskeln sinnvoll.

Aber Brücken wurden nicht nur im übertragenden Sinn gebaut, sondern ganz real vor Ort aus Holz und Schweiß. Jeder Religionskurs hatte im Vorfeld einen Balken mit ihren Namen beschriftet und nun entstand vor ihren Augen während des Gottesdienstes eine so genannte „Leonardo-Brücke“, die ohne Nägel und Schrauben auskommt und nur durch den Zusammenhalt eines simplen Stecksystems hält. Ein Symbol für die Kraft einer Gemeinschaft, in der jeder etwas bewirken kann.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von einem Chor aus zwei fünften und einer siebten Klasse unter der Leitung von Sylke Bruns, die auch die Orgel spielte. Geleitet wurde der Gottesdienst von den Pastoren Sogorski und Hermann, die sich am Ende schon sehr auf den Gottesdienst im nächsten Jahr freuten.

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